Workshop „Extremwetter“ 10. – 11. Juli 2015

aus: Süssmuth, Adrian (1594): Wetterbüchlein. Leipzig.

Am 10.-11. Juli 2015 findet im Theologicum (SR08) der Universität Tübingen der Workshop Extremwetter. Schrecken und Faszination des Außerordentlichen statt. Der vom Projekt ‚Klimawandel‘ in der frühen Neuzeit – Neue literatur- und kulturwissenschaftliche Zugänge zu Fragen Nachhaltiger Entwicklung organisierte interdisziplinäre Workshop nimmt literarische und naturwissenschaftliche, ästhetische, philosophische und religiöse Narrative in den Blick, die sich mit dem Phänomen des Extremwetters beschäftigen und die insbesondere im aktuellen Klimadiskurs an Bedeutung gewinnen.

Den Kernbereich des Untersuchungszeitraums bildet dabei die Frühe Neuzeit, die von einem gravierenden – allerdings nicht anthropogenen – Klimawandel gekennzeichnet war. In der sogenannten ,Kleinen Eiszeit‘ (um etwa 1450–1850) fielen auf der Nordhalbkugel die Temperaturen mit gravierenden Folgen für Menschen und Gesellschaft. Die extremen Wetterereignisse bereiteten nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der expandierenden Seefahrt und dem damit einhergehenden Projekt der Kolonialisierung Probleme. Neben den geographischen Expansionsbestrebungen werden in dieser Zeit mit den naturwissenschaftlichen Entdeckungen und technischen Erfindungen (z. B. quantitative Messinstrumente wie Thermometer, Barometer, Hygrometer) die bis heute gültigen Paradigmen der „New Science“ etabliert.

In diesem Sinne sollen Klima und Wetter weniger als Naturphänomene, sondern als ‚Hyperobjekte‘, als Ort des Austausches zwischen den epistemischen Ordnungen ‚Natur‘ und ‚Kultur‘, die verschiedene systematische Zugangsweisen ermöglichen und in jeweils unterschiedliche Praxis- zusammenhänge eingebettet sind. Zielsetzung des Workshops ist es, anhand der verschiedenen Darstellungsstrategien die Deutungsvarianz dieses Hyperobjekts auch im Hinblick auf aktuelle Diskurse um den Klimawandel deutlich zu machen. Die Beiträge beziehen sich dabei nicht alleine auf die ‚Kleine Eiszeit‘, sondern behandeln vergleichend auch vorausliegende sowie nachfolgende Epochen.

Für dieses anspruchsvolle Themenfeld konnten Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten geisteswissenschaftlichen Disziplinen gewonnen werden, die vorwiegend an konkreten Textanalysen literarischer, wissenschaftlicher und religiöser Texte die verschiedenen zeitgenössischen Verhandlungen von Mensch und Wetter in den Blick nehmen:

Übersicht:
Freitag, 10. Juli 2015

Dr. Franz Mauelshagen (Kulturwissenschaftliches Institut Essen): Die Kleine Eiszeit • Prof. Dr. Ruth Scoralick (Katholisch-Theologische Fakultät, Universität Tübingen): „Ein Tag von Wolken und Wetter“ (Joel 2,2). Gottesgegenwart und Wetterphänomene in Joel 2,1-14 • Dr. Simon Meisch (IZEW, Universität Tübingen): Dem Extremwetter eine Sprache geben – Paul Gerhard, Simon Dach, Johann Rist • Dr. Astrid Dröse (Deutsches Seminar, Universität Tübingen): Das Erdbeben von Holstein (1648) – Katastrophe, Theodizee und Literatur vor Lissabon • Dr. Elisabeth Jütten (Deutsches Seminar, Universität Tübingen): „Der Wanderer“ zwischen den Extremen. Zur Klimatheorie bei Hölderlin • Prof. Dr. Eva Horn (Institut für Germanistik, Universität Wien): Kälte und Dunkelheit. Klima-Desaster in der Moderne

Samstag, 11. Juli 2015

Prof. Dr. Jörg Robert (Deutsches Seminar, Universität Tübingen): Martin Opitz: Vesuvius (1633) • Marcus Rockoff, M.A. (IZEW, Universität Tübingen): Brockes und das Wissen vom Wetter • Prof. Dr. Matthias Bauer & Dr. Angelika Zirker (Englisches Seminar, Universität Tübingen): Wronging Poor Storms: John Donne und George Herbert • Prof. Dr. Ingrid Hotz-Davies (Englisches Seminar, Universität Tübingen): Ausgeliefertheit und Erkenntnis bei Abiezer Coppe (1619-1672)

 

Workshop - Extremwetter - 2015 - Tübingen ProgrammWeitere Informationen zu dieser Veranstaltung entnehmen Sie dem Programm Workshop Extremwetter.

 

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