Neuerscheinung: Sammelband „Nachhaltige Lebensstile“

Neuerscheinung des Sammelbands „Nachhaltige Lebensstile. Welchen Beitrag kann ein bewusster Fleischkonsum zu mehr Naturschutz, Klimaschutz und Gesundheit leisten?“

Nachhaltige Lebensstile - Voegt-Kleschkin, Bossert, OttDie in dem eben im Metropolis Verlag erschienenen Sammelband zusammengebrachten Beiträge setzen sich mit der Frage auseinander, wie Fleischkonsum in Bezug auf einen nachhaltigen Lebensstiel zu bewerten ist. Dabei werden vor allem die Bereiche Naturschutz, Klimaschutz und Gesundheit in den Blick genommen, was sich in der Gliederung der Beiträge widerspiegelt, wobei nochmal zwischen den Auswirkungen der Fleischproduktion und des Fleischkonsums unterschieden wird sowie die Rahmenbedingungen dargelegt, die als notwendig angesehen werden, damit Änderungen umgesetzt werden können. So werden z.B. ökonomische und politische Instrumente beleuchtet, die zu einer Reduktion des Fleischkonsums führen können. In einem Kapitel zur Nachhaltigkeit und Nachhaltigen Lebensstilen befassen sich zudem fünf Beiträge damit, was Nachhaltigkeit, Nachhaltige Lebensstile oder auch Nachhaltige Entwicklung überhaupt bedeuten und behandeln dies mit je unterschiedlichen Herangehensweisen.

Der Sammelband baut auf einer dreijährigen Tagungsreihe auf, die Lieske Voget-Kleschin und Konrad Ott im Zeitraum 2011 bis 2013 in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz (Außenstelle Insel Vilm) durchgeführt haben. Je eine Tagung beschäftigte sich mit der Frage, welchen Beitrag ein geänderter Fleischkonsum zu mehr Naturschutz, Klimaschutz und Gesundheit leisten kann. Die Vorträge und Diskussionen der drei Tagungen werden im Sammelband zusammengefasst.

Neben Beiträge von u.a. Sylvia Lorek, Anita Idel, Toni Meier, Carolin Möhrke, Manuel Trummer und Markus Wolter/Tobias Reichert tragen auch Simon Meisch und Leonie Bossert aus der Nachwuchsforschungsgruppe mit Beiträgen zu diesem Sammelband bei.

Da in einem Sammelband, der sich mit der Thematik des Fleischkonsums beschäftigt und beansprucht, dabei auch ethische Positionen in den Blick zu nehmen, eine tierethische Betrachtung nicht fehlen sollte, steht der tierethische Beitrag Leonie Bosserts auf die Einleitung folgend am Anfang des Bandes. Im Gegensatz zu anthropozentrischen Positionen, die davon ausgehen, dass nur Menschen gegenüber moralische Verpflichtungen bestehen, geht der Sentientismus davon aus, dass auch Tiere zur moralischen Gemeinschaft gehören und auch ihnen gegenüber moralisch gehandelt werden sollte. Der Beitrag von Leonie Bossert beginnt mit einer Einführung in den Sentientismus. Im Anschluss daran diskutiert Bossert drei verschiedene tierethische Positionen – die des Tierschutzes, der Tierrechte und der Tierbefreiung. Der Beitrag endet mit einer Diskussion der Schlussfolgerungen, die sich aus diesen verschiedenen Positionen für die landwirtschaftliche Tierhaltung und den Naturschutz ziehen lassen. In diesem Zusammenhang diskutiert Bossert auch die Möglichkeit einer bio-veganen Landwirtschaft.

Der erste Beitrag von Simon Meisch (im Kapitel Nachhaltigkeit und Nachhaltige Lebensstile) stellt zunächst dar, wie der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Nachhaltiger Entwicklung im öffentlichen Diskurs konstruiert wird. Im Anschluss daran diskutiert Meisch drei Argumentationslinien, mittels derer der Zusammenhang zwischen Nachhaltiger Entwicklung und Gesundheit konstruiert wird: das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, klugheitsethische Argumente sowie einen gerechtigkeitsethischen Ansatz. Meisch setzt sich kritisch von den ersten beiden Argumentationslinien ab und plädiert dafür, Nachhaltigkeit als Gerechtigkeitsfrage zu fassen. Den Zusammenhang von Fleischkonsum und Gesundheit bezieht er daher nicht nur auf Konsument_innen, sondern auch auf die vom Produktionsprozess direkt Betroffenen.

Der zweite Beitrag von Simon Meisch (im Kapitel Notwendige Rahmenbedingungen) diskutiert am Beispiel der Kontroverse um den Veggie-Day im Bundestagswahlkampf 2013 ein Verständnis von bewusstem Fleischkonsum gemäß dessen die aus der Fleischproduktion und -verarbeitung resultierenden Probleme über Marktmechanismen gelöst werden sollen. Der Beitrag argumentiert, dass die Wahl von Politikinstrumenten mittels derer bewusster Fleischkonsum gefördert werden soll, immer auf Annahmen darüber beruht, wie Politik funktionieren kann und soll. Meisch zeigt auf, dass die scharfe Kritik am Vorschlag des Veggie-Days auf ein Verständnis bewussten Fleischkonsums hindeutet, das davon ausgeht, es sei Aufgabe von Konsument_innen durch ihre Kaufentscheidung kollektiv wünschenswerte Zustände über den Markt herbeizuführen, während die Aufgabe des Staates lediglich darin bestehe, funktionierende Märkte zu gewährleisten. Meisch zeigt auf, dass ein solches Verständnis bewussten Fleischkonsums auf libertarianische Politikvorstellungen zurückgeht. Er hinterfragt, ob der Markt für die Missstände, die Vertreter_innen bewussten Fleischkonsums lösen wollen, tatsächlich die richtige Instanz ist und weist auf alternative Politikmodelle und -instrumente hin.

Buchinfo

Lieske Voget-Kleschin, Leonie Bossert, Konrad Ott (Hg.)Cover – Nachhaltige Lebensstile
Nachhaltige Lebensstile. Welchen Beitrag kann ein bewusster Fleischkonsum zu mehr Naturschutz, Klimaschutz und Gesundheit leisten?
In der Reihe: Beiträge zur Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit als Band 7
444 Seiten; 38,00 EUR
ISBN 978-3-7316-1089-2
(Metropolis Verlag, August 2014)
Inhaltsverzeichnis als pdf

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